Der Malawisee - Afrikas schönstes Aquarium

Buntbarscharten

Der Malawisee (auch Nyassasee genannt) ist mit einer Länge von 580 Kilometern und einer Breite von bis zu 80 Kilometern, der neuntgrößte See der Erde. An seiner tiefsten Stelle ist er 700 Meter tief. Rund 600 verschiedene Buntbarscharten beherbergt der See, manche Quellen sprechen sogar von bis zu 800 verschiedenen Arten.

Die Lage des Malawisees

Malawisee Boot

Der See grenzt im Süden und Westen an Malawi, Nordöstlich an Tansania und im Osten auch an Mosambik. Die Temperatur liegt zwischen 23°C und 28°C. Der pH-Wert ist mit 7,6 bis 8,5 relativ hoch.

Fische aus dem Malawisee dienen vielen Afrikanern der Gegend als tägliches Nahrungsmittel. Viele Tonnen Fisch werden zu diesem Zweck jährlich aus dem See gefischt.

Entstehung und geologische Bedeutung

Der Malawisee entstand vor etwa 1-2 Millionen Jahren durch tektonische Verschiebungen im Ostafrikanischen Grabenbruch. Als einer der ältesten Seen der Erde ist er ein sogenannter Grabenbruchsee. Diese lange, isolierte Entwicklung ermöglichte die Evolution der außergewöhnlichen Artenvielfalt, die wir heute im See vorfinden.

Mit einem Volumen von etwa 8.400 Kubikkilometern und einer durchschnittlichen Tiefe von 292 Metern gehört der Malawisee zu den wasserreichsten Seen Afrikas. Sein kristallklares Wasser und die stabilen Umweltbedingungen schufen ideale Voraussetzungen für die Entwicklung hunderter endemischer Buntbarscharten.

UNESCO Weltnaturerbe Lake Malawi Nationalpark

Seit 1984 ist der Lake Malawi Nationalpark UNESCO Weltnaturerbe. Der Park schützt einen Teil des südlichen Seegebiets und gilt als erste Süßwasser-Stätte, die zum Schutz von Fischen eingerichtet wurde. Die außergewöhnliche Biodiversität und der hohe Endemismus – über 90% der Buntbarscharten kommen ausschließlich hier vor – machen den See zu einem einzigartigen Naturschatz.

Für Aquarianer bedeutet dies: Die Fische, die wir im Aquarium pflegen, stammen von Arten ab, die nirgendwo sonst auf der Welt in freier Natur vorkommen. Umso wichtiger ist eine artgerechte Haltung, die ihrem natürlichen Lebensraum möglichst nahe kommt.

Wasserwerte im Detail - Wichtig für die Aquaristik

Die stabilen Wasserwerte des Malawisees sind entscheidend für die erfolgreiche Haltung der Buntbarsche im Aquarium:

  • pH-Wert: 7,6 - 8,5 (alkalisch)
  • Gesamthärte (GH): 6 - 10 °dH
  • Karbonathärte (KH): 6 - 8 °dH
  • Temperatur: 23 - 28 °C (abhängig von Tiefe und Jahreszeit)
  • Leitwert: ca. 200 - 260 µS/cm

Diese Werte solltest du in deinem Malawi Aquarium möglichst nachbilden. Das alkalische, mineralreiche Wasser ist typisch für die Afrikanischen Grabenseen und unterscheidet sich deutlich von den Anforderungen südamerikanischer Buntbarsche.

7 Zonen - 7 Lebensräume

Grob lässt sich der Malawisee in sieben verschiedene Lebensräume einteilen:

  • Felszone
  • Sandzone
  • Sand-Fels-Übergangszone
  • Ufernahes Freiwasser
  • Uferfernes Freiwasser
  • Tiefwasser
  • Flussmündungen und Röhrichtzonen

Für die Aquaristik von besonderer Bedeutung sind die Felszone, die Übergangszone und die Sandzone. Aus diesen Lebensräumen werden heute die meisten Fische für die Aquaristik importiert.

Malawisee Boot

In der Fels- und Übergangszone verteidigen die sehr territorialen Mbuna ihr Revier vor Eindringlingen, die Felsen dienen als Versteck vor Fressfeinden.

In der Sandzone dienen Sandburgen oder Sandkrater einigen Non-Mbuna Arten als Revier, die in tagelanger Arbeit von den Fischen errichtet wurden um Weibchen anzulocken.

Die Lebensräume im Detail

Felszone (Rocky Habitat)

Die Felszone besteht aus großen Gesteinsformationen und Felswänden, die bis in große Tiefen reichen. Hier leben hauptsächlich die Mbunas (Felsenbuntbarsche), die sich von Aufwuchs (Algen und Mikroorganismen) ernähren. Die Felsen bieten Schutz, Laichplätze und klar abgrenzbare Reviere.

Typische Bewohner: Pseudotropheus, Melanochromis, Labidochromis, Labeotropheus

Sandzone (Sandy Habitat)

Endlose Sandflächen prägen dieses Habitat. Hier leben die Non-Mbunas, die mit ausgefeilten Verhaltensweisen beeindrucken. Männchen bauen kunstvolle Sandburgen oder graben Krater, um Weibchen anzulocken. Einige Arten seihen den Sand nach Nahrung durch.

Typische Bewohner: Aulonocara, Lethrinops, Taeniolethrinops

Übergangszone (Intermediate Habitat)

Wo Fels auf Sand trifft, entsteht ein besonders artenreicher Lebensraum. Hier finden sowohl Mbuna als auch Non-Mbuna Arten optimale Bedingungen. Große Steine liegen verstreut auf Sand – ein ideales Vorbild für die Aquariengestaltung.

Typische Bewohner: Einige Pseudotropheus-Arten, Copadichromis

Ernährung im natürlichen Lebensraum

Die Ernährungsweise der Malawi Buntbarsche ist hochspezialisiert:

Aufwuchsfresser (Mbuna): Raspeln mit ihren Zähnen Algen und Mikroorganismen von Steinen. Ihre Nahrung ist überwiegend pflanzlich mit hohem Ballaststoffanteil.

Planktonfresser: Filtern Zooplankton aus dem freien Wasser. Benötigen proteinreiche Nahrung in feiner Form.

Schnecken- und Krebstierfresser: Besitzen kräftige Pharyngealzähne zum Knacken von Schalen. Ihre Ernährung ist überwiegend carnivor.

Räuber: Jagen kleinere Fische oder Jungfische. Benötigen eiweißreiche Kost.

Für die Aquaristik bedeutet dies: Die Fütterung sollte an die natürliche Ernährungsweise angepasst werden. Mbunas benötigen pflanzliche Kost, während viele Non-Mbunas proteinreicheres Futter vertragen.

Bedrohungen und Schutz des Malawisees

Trotz des UNESCO-Schutzes steht der Malawisee vor Herausforderungen:

  • Überfischung: Die wachsende Bevölkerung ist auf Fisch als Nahrungsquelle angewiesen
  • Umweltverschmutzung: Abwässer und landwirtschaftliche Abflüsse belasten das Ökosystem
  • Klimawandel: Veränderungen des Wasserstands und der Temperatur
  • Invasive Arten: Eingeschleppte Fischarten bedrohen einheimische Populationen

Aquarianer können durch Nachzucht von Malawi Buntbarschen dazu beitragen, den Druck auf die Wildpopulationen zu verringern. Kaufe wenn möglich Nachzuchten statt Wildfänge.

Bedeutung für die Aquaristik

Der Malawisee gilt als Schatzkammer der Aquaristik. Seit den 1960er Jahren werden Buntbarsche aus dem See exportiert und haben weltweit Millionen von Aquarianern begeistert. Die intensive Farbenpracht, das spannende Verhalten und die vergleichsweise einfache Haltung machen sie zu idealen Aquarienfischen.

Besonders faszinierend ist die maulbrütende Fortpflanzung, die bei fast allen Malawi Buntbarschen zu beobachten ist. Weibchen nehmen die befruchteten Eier ins Maul auf und tragen die Brut bis zum Freischwimmen der Jungfische aus – ein einzigartiges Naturschauspiel, das sich auch im Aquarium beobachten lässt.